Umgang mit mikrobiologischen Überschreitungen beim Umgebungsmonitoring
Einleitung
Das mikrobiologische Monitoring stellt sicher, dass pharmazeutische Zubereitungen unter kontrollierten Bedingungen hergestellt werden. Da bei werden Abweichungen vom validierten Grundzustand festgestellt. Treten dabei Abweichungen auf (Out-of-Specication Resultate, OOS oder Out-of-Trend Resultate, OOT), ist man in der Lage korrigierende Maßnahmen ein zuleiten. Das mikrobiologischen Monitoring um fasst dabei die Überwachung der Luft, des ein gesetzten Prozesswassers, der Oberflächen und des Personals.
Monitoring-Programm Umgebung
Für die Überwachung der Reinräume sollte ein umfassendes Monitoring-Konzept erarbeitet werden. Das Monitoring-Programm muss in SOPs schriftlich festgelegt sein. Darin sollten folgende Angaben zu den Probenahmen enthalten sein: Messstellen, Frequenz, Zeitpunkt, Verantwortlichkeiten, Dokumentation, Equipment und Techniken. Weiterhin müssen die Warn- und Aktionsgrenzen festgelegt sein. In der SOP sollte auch der formale und zeitliche Ablauf, wenn es zu einer Überschreitung der Warn- bzw. Aktionsgrenzen kommt, festgelegt sein
Warn- und Aktionsgrenzen
Um die Qualität beurteilen zu können, müssen die Anforderungen an die Reinräume beschrieben sein. Diese Anforderungen werden als Warn bzw. Aktionsgrenzen festgelegt. Bei den Aktionsgrenzen kann auf die in den Regelwerken (z.B. USP, Annex 1 (Sterilfertigung) EU-GMP Leitfaden, FDA, Guidance for Industry) beschriebenen Grenzen zurückgegriffen werden.

Wenn die Aktionsgrenze selber festgelegt werden muss, kann man eine der folgenden Regeln anwenden:
- liegt z.B. außerhalb des statistisch wahrscheinlichen Bereichs
- oder (z.B. bei sehr kleinen Messgrößen/ seltenen Einzelfunden)
- überschreitet Basislevel um 50% oder 100% [8]
Bei den Warngrenzen sollte man dagegen auf historische Daten oder auf Ergebnisse während der Qualifizierungsphase zurückgreifen. Die Warngrenze entspricht dabei der Überschreitung des Bereichs, in dem die Messdaten laut Datenstatistik am häufigsten lagen. Eine Berechnung kann dann zum Beispiel anhand des Vorschlags in der DIN/EN 1632 (Entwurf, nicht realisiert) erfolgen. Wenn die Warngrenze nicht statistisch ermittelt werden kann, wird auch oft 1/2 Aktionsgrenze als Warngrenze vorläufig festgelegt. Eine Überschreitung der Warngrenze zieht nicht zwangsläufig eine vollständige Untersuchung nach sich. Hierbei wird lediglich eine potentielle Drift von den Normalbedingungen festgestellt. Aktionsgrenzüberschreitungen müssen dagegen immer auf deren Ursache untersucht und dokumentiert werden.

Umgang mit Abweichungen
Treten Abweichungen auf, so befindet sich die Produktionsumgebung nicht mehr unter Kontrolle. Die Überschreitung der erforderlichen Umgebungsbedingungen muss zeitnah untersucht werden und innerhalb von 30 Tagen abgeschlossen sein. Dabei soll die Ursache gefunden werden, um entsprechende korrigierende Maßnahmen (Corrective Action) einleiten zu können. Weiterhin sollten vorbeugen de Maßnahmen (Preventive Action) veranlasst werden, da mit diese Abweichungen nicht noch einmal auftreten. Man spricht auch von einem CAPA-Plan.
Datenreview
Die vorhandenen Daten aus dem Monitoring Programm sollten regelmäßig zusammengefasst und bewertet werden. Die zeitlichen Abstände können individuell festgelegt sein und hängen von der Anzahl der Probenahmen und der Kritikalität (Rolle im Prozess und Monitoring-Ergebnisse über Warngrenze) der untersuchten Reinräume ab. Der Daten review kann auch zu einer Neubewertung der Warngrenze herangezogen werden.
Erkennen von Trends

Im Rahmen des Hygienemonitorings sollten Trendanalysen durchgeführt werden. Diese Forderung ist mittlerweile auch in die Anforderungen der WHO eingegangen [9]. Dabei können sich abzeichnende Abweichungen vom validierten Zustand, z.B. beim gehäuften Auftreten von Warngrenzen, frühzeitig erkannt und korrigierende Maßnahmen eingeleitet werden (OOT-Out of Trend- Ereignisse). Auch hier findet man von amtlicher Seite in der einschlägigen Literatur Hinweise:
„When data are compiled and analyzed, any trends should be evaluated by trained personnel. While it is important to review environmental results based on recommended and specified frequency, it is also critical to review results over extended periods to determine whether trends are present. Trends can be visualized through the construction of statistical control charts that include alert and action levels. The microbial control of controlled environments can be assessed, in part, based on these trend data.“ [4]

„Levels of detection of microbial contamination should be established for the purpose of setting alert and action limits and for monitoring the trends in environmental cleanliness in the facility. „[9]
„The quality control unit should provide routine oversight of near-term (e.g., daily, weekly, monthly, quarterly) and long-term trends in environmental and personnel monitoring data. [5]
„Daten, die aufgrund einer einzigen Probe ermittelt wurden, sind oft nicht signifikant. Darüber hinaus können mikrobiologische Überwachungstechniken ernsthafte Mängel haben, die eine breite Streuung verursachen. Eine grafische Darstellung der gesammelten Daten über eine bestimmte Zeitspanne kann deshalb zur Unterscheidung der Streuungen in der Probenahme von tatsächlichen Trends nützlich sein oder anzeigen, dass eine signifikante Änderung eingetreten ist, obwohl die Schätzwerte innerhalb der festgelegten Grenzwerte liegen. [7]

Um das Erkennen von Trends zu erleichtern, ist es oft zweckmäßig, die Daten als gleitende Mittelwerte z.B. aus 5-10 aufeinander folgenden Einzelwerten darzustellen.
Außerdem sollte das Trending auch in Bezug auf die isolierten Keimarten erfolgen. So können, z.B. beim gehäuften Auftreten von Sporenbildnern oder Schimmelpilzen, rechtzeitig korrigierende Maßnahmen eingeleitet werden.

Literatur
1
EU Guidelines to Good Manufacturing Practice, Volume 4, Annex 1: Manufacture of Sterile Medicinal Products, European Commission, November 2008, Brüssel
2
ISO 13408-1:2008-06: Aseptic processing of health care products- Part 1: General requirements, 36 Seiten
3
ISO 14698-1:2004-04: Reinräume und zugehörige Reinraumbereiche- Biokontaminationskontrolle- Teil 1: Allgemeine Grundlagen, 38 Seiten
4
USP 29 <1116>: Microbiological evaluation of clean rooms and other controlled environments
5
FDA: Guidance for Industry- Sterile Drug Products Produced by Aseptic Processing- Current Good Manufacturing Practice, 2004
6
Parental Drug Association (PDA): Technical Report No. 13
7
Wallhäusers Praxis der Sterilisation, Thieme Verlag, 2008
8
WHO Technical Report Series, No. 961, Annex 6: WHO good manufacturing practices for sterile pharmaceutical products, World Health Organization, 2011